Das Team dieser Reise

                 Silvia                   -   Jeep CJ7
                 Herbert                -   Landcruiser 90
                 Martin & Resi         -   Patrol
                 Gerhard                -   Defender 110
                 Michael                -   Jeep Cherokee
                 Joe & Doris            -   Mercedes G400
                 Gert                     -   Landcruiser 90

 

Langsam tropft mir der Regen in den Kragen. Ich stapfe bis zum Knie im nassen Gemüse auf einen Hügel über der kleinen Ortschaft Ano und suche nach einer ganz bestimmten Gesteinsformation. Da kommt Joe's Stimme über Funk,"Ich hab's. Es ist gleich neben der Straße." Erleichtert kehre ich durch das sabbernde Grünzeug zum Toyota zurück und komme zum Freudentanz der Schatzsucher gerade zurecht. -  4x4? Geländefreunde? Welche Schraube hat sich bei uns gelockert?

Wir waren am Sonntag von unserem üblichen Startpunkt Camping Lampele in Ossiach nach Anfo am Lago Idro gefahren. Das Einparktrial im Camp Pilu gelang bei Sonnenschein mit unserem geübten Team zur Freue aller Zuschauer. Rasch waren die Wohngeräte in Stellung gebracht. Nette Gaststätten am Seeufer luden zum ersten Abendgelage und wir wälzten Landkarten mit Routen für unsere Bergtouren. Danach weichte der Nachtregen alles gründlich ein. Silvias ruhiges Morgenfoto passte gut zu unserer langsamen Aufwärmphase beim Frühstück.
Dann traute sich die Sonne heraus und wir kurvten zum Forte Cima Ora hinauf. Martin. unser Rotweinentsorger vom Vorabend, ließ Resi ans Steuer und zeigte den ganzen Weltschmerz seines überlasteten Systems. Ein kleiner Trupp erklomm das Fort und genoss den Weitblick von den alten Geschützstellungen. Die anderen gingen den Straßensperrgeschichten am Passo della Spina auf den Grund. Nach einer malerischen Anfahrt entdeckten sie schließlich die Wurzel des Übels, einen markanten Felsrutsch.

Vom Forte Cima Ora zum Passo della Spina

Der Felsrutsch soll 2008 weggeräumt und die Straße wieder geöffnet werden.
Zur Zeit schafft man das Hindernis nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike.

Der nächste Nachtregen setzte sich genüsslich im Tal fest und wir bangten um die geplante Tour. Da kamen uns Joe und Doris zu Hilfe. Als altgediente GeoCacher machten sie uns Appetit auf die Schatzsuche in den Bergen zuwischen Idro und Gardasee. So kam es nach der Umfahrung einer Tunnelbaustelle auf lauschigen, feuchten Wegen zum triefnassen Wandererlebnis bei Eno.
Zwei weitere Schatzfunde führen uns bis zum Lago di Valvestino. Meine Idee, auf versteckten Pfaden durchs Valle di Campiglio zu fahren, bringt uns in eine äußerst idyllische Gegend. Leider endet die Strecke kurz vor dem Passo della Fobbiola. Der nächste Schatz in Sasso lockt Joe samt Dachzelt durch eine Ortschaft, in der Esel oder kleine Fiats besser aufgehoben sind. In solchen Situationen schließt Doris meist die Augen und bemüht sich um innere Ruhe.

Im Valle di Campiglio


Der kleine Engel "bewacht" einen der Schätze

Schüchterne Sonnenstrahlen begrüßen uns am nächsten Morgen. Wir nützen diese Chance und flitzen die Asphaltkehren zum Rifugio Garda hinauf. Oben meldet sich Gerhard am Handy. Er ist bei Bergamo unterwegs und möchte uns treffen. Ich gebe ihm die Koordinaten am Fuß der Tremalzostraße. Dann rollen wir das aussichtsreiche Valle San Michele bergab. Wolken und Sonnenstrahlen liefern die stimmige Beleuchtung während wir unsere Fahrzeuge langsam über den Schotterweg bewegen. Beim Wasserfall gibt es eine spritzige Pause. Dann geht es hinunter bis zum Schatzloch beim Teich neben der San Michele Kapelle.

Weg durch das San Michele Tal
in sehr gepflegtem Zustand




Pause beim Wasserfall >>



Silvias vielseitiger Jeep

Beim geplanten Treffpunkt versuchen wir Gerhard am Handy zu erwischen. Er hat seinem Navigationsgerät gehorcht und ist in die Baustelle beim Lago Idro geraten. Danach hat ihn die lauschige Umfahrung zum Gardasee gebracht, wo er im Stau nach einem Motorradunfall 2 Stunden einen Tunnel von innen besichtigen durfte. So machen wir uns ohne ihn an die Auffahrt.

Als intensiver Mountainbiker habe ich volles Verständnis für die Radfahrer, die uns entgegenkommen. Wir alle haben Freude an der herrlichen Bergwelt und sollten sie in gegenseitiger Rücksicht genießen. Daher lasse ich den Toyota ganz langsam und vorausschauend die steinige Piste erklettern. Bis auf eine Bikerin sind alle darüber erfreut und grüßen nett zurück. Die eine könnte beim "100m bös schauen ohne Anlauf" mit sicheren Siegchancen antreten. Die Sonne traut sich voll heraus und wir genießen diesen Traumpfad aus alten düsteren Kriegstagen.

Nach dem Querweg durch die Felswand treffen wir auf einen Bagger der Straßenmeisterei. Größere Steine werden aus der Spur geschoben. Der Weg bleibt allerdings für Biker eine Herausforderung an Kondition und Gleichgewicht. Die Reversierserpentinen knapp vor dem oberen Tunnel fordern danach uns. Auch Beifahrer bleiben bei der unverbaubaren Fernsicht mit Weit- und Tiefblickgarantie nicht ungerührt. Mit wunderbaren Erinnerungsbildern beladen erreichen wir wieder das Rifugio Garda. Nach einer kleinen Ermunterung geht es zurück ins Camp. Gerhard ist schon da und wir erzählen ihm von der Tour. Schade, dass er nicht dabei war.

Über den Passo Croce Domini erreichen wir die frisch renovierte Straße zum Maniva Pass. Die Sonne saugt die Wolkenfetzen aus dem Tal. Mit frischem Kase aus dem Rifugio am Croce Domini schaffen wir eine herzhafte Bergjause.

Ein Schatz wäre noch zu heben, meint Joe knapp bevor Doris und er sich auf den Heimweg machen. Leider ist der Monte Stino wegen der Tunnelbaustelle nur auf einem weiten Umweg zu erreichen. In der Wanderkarte finde ich einem Weg entlang dem Rio Vantone, der diese Baustelle umgeht. Bei der Abzweigung zu diesem Weg stehe ich vor einem grünen Vorhang. Zu Fuß krabble ich die ersten Meter des felsigen Pfades hinauf. Mit etwas Geschick könnte man ihn befahren. Los geht's. Im Standgas über Felsen und genauso langsam um enge Kehren. Das dunkle Waldtal bringt uns immer höher. Es ist die alte Straße, die vor vielen Jahren durch den Tunnel überflüssig wurde. Ein verschüttetes Stück würde uns zu einer bedenklichen Retoursektion zwingen. Zum Glück gibt es außer eingebrochenen Ästen keine argen Hindernisse und wir erreichen zufrieden die Straße nach dem gesperrten Tunnel.

Der Weg zum Schatz ist frei. Kurze Zeit später stehen wir mit der Cachedose in der Hand am Stino und genießen den Erfolg und den Ausblick. Ein Einheimischer spricht uns bei unserer Mittagsrast an. Er möchte uns die alten Stellungen aus dem 1. Weltkrieg zeigen. Mit seinem Fiat braust er kurz darauf vor uns durchs Grünzeug. Von seinem Onkel und dessen Hund verfolgt erreichen wir die alten Schützengräben. Wenn es nach dem zornigen Alten ginge, könnten wir die Gefechte jetzt gleich wieder aufnehmen. Er ist bissiger als sein Begleiter und gibt sich erst nach einer kräftigen Standpauke für seinen gutmütigen Neffen zufrieden. Die italienischen Kraftausdrücke passen heute nicht mehr in die friedliche Landschaft. Nur einige Markierungen und die Beschreibungen unseres Führers lassen die grausamen Zeiten des Krieges erahnen.

Mit einem kleinen, steinigen  Umweg zum Lago Rosso beschließen wir unsere Touren. Der weite Blick aus dem Süden über den Lago Idro passt gut zum Abschied von dieser wunderbaren Bergwelt. Beim abendliche  Gelage lassen wir unsere Erlebnisse noch einmal aufleben. Dann spült uns der Nachtregen in den Schlaf. Erst auf der Heimfahrt bei Bruneck wird es wieder sonnig. Damit wird die Strecke bis Ossiach ein weitere Genuss.
Silvia hat nun Heimvorteil. Wir anderen rollen am nächsten Tag voller netter Gedanken an die italienische Bergwelt heimwärts.

Mit vielen feinen Fotos von Herbert und Silvia - mit einem Bussi nach Kärnten      Gert.