Das Team dieser Reise

Silvia                   - Jeep CJ7
Franz & Leo          - Pajero TD
Herbert & Hans-P. - Landcruiser 90
Jacky & Hilde        - Landcruiser 90
Martin & Resi        - Patrol
Peter & Söhne       - Landcruiser 90
Gerhard               - Defender 110
Hannes                - Toyota Hilux
Gert                     - Landcruiser 90

 

Leises Klopfen dringt an mein Ohr. Es ist ein kühler Morgen im Camp al Lago und Silvia leistet ihrem Jeep erste Hilfe. Genüsslich drehe ich mich noch einmal im Bett um und verschiebe den Tagesanbruch um ein paar Minuten. Erst als auch Herbert, Martin und Franz aus ihren Behausungen klettern, gebe ich mir einen Ruck und suche mir in der Küche ein nahrhaftes Frühstück. Bett, Küche.... was ist aus den harten Zeltbauern und Autoschläfern geworden, die wir vor kurzem noch waren?
Bei der Langstreckentour durch die französischen Berge war uns die Idee gekommen, es heuer gemütlicher anzugehen. Ein Zentrum -  das Camp am Lago Corlo und vier Bergregionen rundum sollten für eine Woche 4x4Freuden spenden. Mit Wohnwagen, Zelten und Fahrzeugen hatten wir eine nette Camplandschaft gestaltet. Bei einem ersten Abendgelage hatten wir mit Büchern und Landkarten den Wochenverlauf besprochen. So wie Feinschmecker schlemmten wir 4x4 a la carte (im Maßstab 1:50000).

1. Gang - zwei knackige Forts auf grünen Bergen gewürzt mit einem tüchtigen Schuss altem Brocon .

Guter Asphalt windet sich aus Arsie nach Norden in die Berge zum Col Perer. Dort macht sich Peter auf die Suche nach dem geheimnisvollen Geräusch seines Toyota. Etliche rumänische Prügeleien haben dem armen Fahrgestell ziemlich zugesetzt und tief unters Auto gekrochen findet Franz die abgebrochenen Halterungen, die gar so jämmerlich knirschten. Auf das verwachsene Fort Cima di Lan stoßen wir am Ende eines kratzigen Waldwegs. Die kriegerische Vergangenheit ist grün überwuchert und überdies privatisiert.
Das Forte Leone, das auch Gerstl & Leeb in ihr Buch aufgenommen haben, liegt aussichtsreich im strahlenden Sonnenschein. Peter und seine Buben verschwinden im Gemäuer, während wir den Rastplatz vor dem Forte genießen.

Eine nette Schotterstraße führt uns am Monte Picosta vorbei. Einsam liegt dort ein noch unentdeckter, neuer Campingplatz. Nach dem Abstieg lockt uns bei Lamon der alte Brocon. Rumpeliger Schotter und ein Fahrverbot (nur für Traktoren erlaubt) machen den Einstieg reizvoll. Dass oben am Pass kein Fahrverbot ist, spricht eher für die Erlaubnis, diese knorrige Bergstraße auch weiterhin zu genießen.

2. Gang - sieben Gemeinden auf einen Streich.

Im strahlenden Sonnenschein rollen wir durch Enego hinauf zum Monte Lisser. Der Bauer am Einstieg zur Straße hat uns erlaubt, seinen Schranken zu öffnen und wir freuen uns auf die "unverbaubare Fernsicht" beim Gipfelfort. Ganz sanfter Dunst wirkt als Weichzeichner für die monumentale Kulisse der Berge um uns. Eine Stunde Fernsehen vergeht im Flug und wir tauchen in den Wald der Hochebene ein. Asphalt, Schotter, Reste der 1915-er Befestigung, die über die Räder bis in unser Kreuz hämmert. Alles das wartet auf uns, bis wir den Parkplatz zum Monte Lozze erreichen. Das liebliche Waldland muss im 1. Weltkrieg ein hin und her wogendes Schlachtfeld gewesen sein. Einige Kavernen in den Felswänden und die dauerhaft befestigten Wege erinnern noch an diese Zeit.  Als Bergwanderer oder Biker ginge es nun zur Sache. Wir haben andere Pläne. Laut Karte, sollte es auf einem schüchternen Weglein weiter gehen. Auch "Frau Garmin" IQ3600 meint, das ist es. Vorsichtig rolle ich in den steinigen Pfad. Kein Fahrverbot, keine erbosten Wanderer. Wir wollen unseren Frieden und den erhält man sich, wann immer man die anderen in Frieden lässt. Bei einer Pferdeherde bin ich mir sicher - hier geht es zum Rifugio Adriana. Ich greife zum Funkgerät, schon streckt sich ein neugieriger Pferdekopf durchs Seitenfenster. Vegetarier sind erstens sanftmütig und haben zum Zweiten wenig Mundgeruch. Ich kraule das Tierchen freundlich während die anderen die Serpentinen hinunterrumpeln. Das Rifugio ist nett hergerichtet, kulinarisch hochstehend und  "sauteuer".

Der malerische Abgang nach Levico ist wegen Bauarbeiten gesperrt. So bleibt uns nur der fruchtige Einkauf in Asiago. Die Campsitzung in der milden Abendstimmung gibt dem Tag ein rundes Ende.

3. Gang - ruhen, geschehen und gehen lassen   ****    oder  ****  des Forschers Freud und Leid.

Einige Badefreunde lassen es heute ruhig angehen. Pflegen sich und ihre Begleiter in der freundliche Sonne am See. Der "harte Kern" will es wieder einmal wissen. Was verbirgt sich hinter dem "Lago di val Noana"? Eine hautenge Asphaltbahn führt in das felsige Tal. Der See liegt leider tief unter der Straße. "Wissen ist Macht", wir machen uns nach diesem Wissen auf den Weg zum Lago di Mis. Tief liegt der See in seinem Bett. Wenig Wasserzufluss und steter Wasserbedarf haben ihn um viele Meter absacken lassen. Da tut sich am Straßenrand eine Kerbe in der Hecke auf. Ich stecke die Toyotaschnauze hinein und finde den Abgang zum Seeufer. Einer erfrischenden Pause steht nichts mehr im Wege. Dass Silvia und ich den türkisen Eisschrank danach beschwimmen, treibt die Erfrischung auf die Spitze.

4. Gang - Monte Grappa der weitläufige mit dem sagenhaften Abgang.

Östlich der Hauptstraße windet sich von Romano aus die Straße auf den Monte Grappa. Von 150m bis 1628m Höhe reicht das Angebot. Je höher wir uns schrauben umso herrlicher wird die Aussicht ins südliche Tal. Umso verwitterter wirken hingegen die Gesichter der Biker, die das alles per Pedes hinauftreten. Ich bräuchte da hinauf sicher vier Stunden. Ob mich oben meine Freunde noch erkenne würden, wage ich nicht zu behaupten. Vielleicht am Geruch? Der Gipfel mit der Weltkriegsgedenkstätte hüllt sich in Wolken. Bei der Fahrt quer über die Höhe nach Westen reißt der Himmel auf und wir erreichen den Schotterpfad am Camp Solagna im strahlenden Sonnenschein.

Im Schutz der Felsen haben die Italiener hier um 1916 ein Nachschubwegerl angelegt, das immer noch  eine landschaftliche Herausforderung darstellt. Felsige Enge und weite Tiefblicke wechseln sich ab, bis der Weg zuerst die Hochebene und dann die Abfahrt nach Feltre erreicht.

5. Gang - Dessertritt über Ossiach mit Kärntner Schmankerln.

Die Orientierungsfahrt im gemischten Konvoi erweist sich im italienischen Stadtverkehr als Herausforderung. Trotz "versteckter Straßentafeln", verlockender Hinweise auf ähnlich klingende Ziele und anderer Verwirrungen erreichen wir am Nachmittag das Camp Lampele in Ossiach. Ein frisches Seebad und eine abendliche Schlemmerei lassen auch diese Reise in erlebter Freundschaft ausklingen. Silvia genießt den kärntner Heimvorteil während wir die erfreulich ruhige 17-er heim rollen.

Mit herzlichem Dank an Silvia (Bussi grande)  und Peter für viele Fotos.