Pisten, Seen & Pizza.

Italien August 99

 

"Wie geht der Weg weiter", kommt Rudis Frage über CB-Funk. "Gar nicht, wir müssen zurück", ist meine Antwort. "Das wird leider nichts", meint er lakonisch. Der Weg war schon im Originalzustand sehr schmal gewesen. Nun hatte Rudis Pajero einen Teil der Randbefestigung ins Tal poltern lassen und wir saßen in einer engen grünen Sackgasse fest. Herbert mit seinem Cherokee war als einziger vor dem Loch, Rudi und Roland hatten es mit dem Pajero ausgehoben, Franz und Werner waren mit ihrem Terrano dicht hinter mir und ich saß als Pfadfinder in meinem Cherokee in einer sehr kniffeligen Umkehrübung. Eine kleine Lichtung im Buschwerk zeigte uns schließlich den Ausweg. Im Retourgang steil bergab. Na, ja, was tut man nicht alles, um einen Geländewagen artgerecht zu bewegen.

Über den Brenner und den Mendelpass waren wir zum Lago Molveno gekommen. Dort war mir bei unserer abendlichen Pizza-Sitzung auf einer Wanderkarte der kleine Abstecher ins Flussbett der Sarca aufgefallen. Gerade richtig als Aufwärmübung für die Runde zum Passo Croce Domini und den Maniva Pass. Von allen Strassenbautrupps gemieden, hat sich da ein geschotterter Bergpfad erhalten, der nach etlichen aussichtsreichen Stellen zu Fort Cime Ora führt. Die Auffahrt endet nach zwei Serpentinen in einem verwachsenen Hohlweg und bietet Gelegenheit, zu einem belebenden Aufstieg zur Festung aus dem 1.Weltkrieg. Den Abgang zum Lago Idro rollen wir hungrig und flott bis zum Camp in Anfo. Der See liegt so einladend da, dass die Pizza warten muß, bis wir ausreichend erfrischt aus den Fluten klettern.

Am nächsten Tag starten wir zur interessantesten Tour. Die wichtigsten Kreuzungspunkte hatte ich ins GPS gespeichert. Bloß die Überraschungen, wenn aus den Kartensymbolen Wirklichkeit wird, lassen sich nicht voraussehen. Bereits der Schwenk nach Norden am Lago Valvestino [N45° 44'; E10° 36,3' ] führt auf einen Weg, den eine Karte als befahrbar, die andere bloß als Wanderweg zeigte. Wir lassen es darauf ankommen und folgen dem Forstweg bis ins Gebiet der Wege aus dem 1.Weltkrieg an den Monte Caplone heran. Die nächste Verbindung ist leider durch Erdrutsche so eng geworden, dass wir zum Valle San Michele [N45° 46,9'; E10° 43,7'] einen ordentlichen Umweg machen müssen.

Das malerische Michele-Tal entlang holpern wir aufwärts bis zum Refugio auf dem Tremalzo [N45° 50'; E10° 41,2']. Ist schon enttäuschend, wenn nach stundenlanger Staubschluckerei ein Parkplatz voller Touristen auftaucht, die gemütlich eine Asphaltstraße heraufgerollt sind. Die Enttäuschung legt sich aber sofort beim Einstieg in die Tremalzopiste.

Zuerst ein Tunnel als Einstimmung, dann  der Weitblick in die grandiose Anlage dieser alten Militärstraße. Die Serpentinen schrauben sich so eng und steil hinunter, dass wir immer wieder reversieren müssen. Echt verkehrsberuhigend dieses Straßenkonzept. Nach dem nächsten Tunnel geht es einspurig mit tiefen Einblicken am Bergkamm entlang bis zum atemberaubenden Einstieg in die nächste Serpentinengruppe. Mitunter sorgt grobes Geröll für eine natürliche Rückenmassage, dann wieder fehlen dem Weg etliche Zentimeter Breite, was die Konzentrationsfähigkeit merklich steigert. Schließlich erreichen wir die Abzweigung zum Passo Guil. Von da an verwöhnt uns Asphalt bis ins Tal. Das Camp in Limone steigert das Wohlgefühl mit einem erfrischenden Bad und ausgezeichneter Küche.

Die Befahrung des Monte Baldo entwickelt sich zu einem Erholungsausflug. Reizvolle Natur aber alles asphaltiert und stark besucht. Sportlich wird es erst am Abend in Torri, wo aus dem angekündigten Kilometer zum Panoramarestaurant drei Kilometer steile Bergwanderung werden.

Die Streckenplanung beim letzten Glas Rotwein  zeigt, dass wir genug von den Bergen haben und zum Abschluss etwas Spaß im Schotter  wollen. Vor Belluno fahren wir der Piave ins Bett. Einige Furten sind tief, aber der Untergrund ist tragfähig. Außerdem ist das Wasser sehr wohltuend bei der Hitze. Nach einer wüstenartigen Mittagsrast lockt uns das Tal der Cellina. Bis zu 2km breit und staubtrocken liegt es vor uns, als wir die Brücke bei Maniago verlassen. Unser Spieltrieb lebt auf und wir brausen im Schotter nach Süden. Bis zum "Zusammenfluß" mit der Meduna sind es fast 10km. Grobe Steine wechseln mit feinem lockerem Material und manche Stellen verlangen Schwung um nicht zum Parkplatz zu werden. Bei einer kurzen Pause spät am Nachmittag schätzt Rudis Routenplaner am PC die Fahrzeit bis zum geplanten Camp auf  2 Stunden. Wir verlassen die Cellina und machen uns  auf den Weg in die Berge. Eigentlich sind wir bereit, irgendwo am Fluss zu campieren, da fällt uns in Tramonti ein Schild zu einem Campingplatz auf. Der Platz liegt im Wald am Flussufer und wir sind die einzigen Gäste im "Restaurant". Nach einer recht frischen Nacht überqueren wir den Pass nach Norden, spielen noch ein wenig im Oberlauf des Tagliamento und rollen durch Kärntner Regenwolken heimwärts.